Project BORDERNETwork 2008-2009

IV. INTERNATIONAL MEETINGS AND CONFERENCES

4.2. Expert workshop on Migration and Prostitution 2009

Hintergrund des Expertenworkshops

Der Beitritt von Bulgarien und Rumänien zur Europäischen Union verändert erheblich die Migrationsströme dieser Länder nach Westeuropa. Eine verstärkte Präsenz von bulgarischen und rumänischen Staatsangehörigen ist in den Prostitutionsszenen fast überall in Deutschland bemerkbar, sowohl in Szenen weiblicher wie auch männlicher Sexarbeit. Ein Großteil von ihnen ist nicht an einem dauerhaften Aufenthalt in Deutschland interessiert, sondern pendelt in ziemlich regelmäßigen Abständen zwischen Deutschland, anderen westeuropäischen Ländern und der Heimat, dabei besuchen sie ihre Angehörigen und unterstützen sie finanziell.

Dieses neue Phänomen stellt eine große Herausforderung für die Arbeit im Bereich der Prostitution dar. In Deutschland liegen weder ausreichenden Kenntnisse über das Sozialwesen und die Gesundheitsdienste in den Herkunftsländern vor, noch über die kulturellen Besonderheiten der Gruppen, die von der Sexarbeitsmigration betroffen sind. Es sind kaum Kontakte zu den jeweiligen Einrichtungen des Gesundheitswesens in den neuen EU-Mitgliedstaaten aufgebaut. Den Teams der aufsuchenden Arbeit in den Prostitutions-Milieus mangelt es häufig an Ressourcen für die Sprach- und Kulturvermittlung. 

 

Ziel des Expertenworkshops

Das Ziel des Workshops ist es, den internationalen Austausch von Erfahrungen voranzubringen und über die juristischen, sozialen und gesundheitlichen Bedingungen und die Arbeitsbedingungen in der Sexindustrie beider Länder, Herkunfts- und Zielländer (vor allem Deutschland), zu informieren. Des Weiteren sollen Netzwerke mit Fachleuten aus Deutschland und den neuen EU-Ländern geschaffen werden, die gewissermaßen eine Präventions-, Diagnostik- und Behandlungsbrücke bilden können.

Die SPI-Forschung veranstaltete in Kooperation mit der Deutsche AIDS-Hilfe e.V. und Hydra eine Konferenz zu diesem Thema, die in Berlin stattfand und mit ihrem Programm zum Ziel hatte, möglichst viele verschiedene, praxisbezogene Blickwinkel wiederzugeben. Die BORDERNETwork Partner HESED und ARAS aus Bulgarien und Rumänien waren ebenfalls an der Programmgestaltung beteiligt und standen während des Workshops für erste Kontaktaufnahmen und die Entwicklung einer Zusammenarbeit zur Verfügung.

Es besuchten insgesamt 130 Personen den Praxisworkshop, die meisten von ihnen kamen von Gesundheitsämtern und NGO-Projekten in Deutschland. Dennoch waren sieben weitere Länder vertreten, diese waren neben Bulgarien und Rumänien die Ukraine, Polen, Tschechien, Schweiz und Österreich.